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Zwischen Fiktion und Realität

Yann Kumbozi ist gleichzeitig Szenarist, Zeichner und Herausgeber seiner Autorencomics. In diesem Interview erklärt er, warum Fiktion für ihn oft interessanter ist als die Realität.

Fiktive Geschichten und imaginierte Welten basieren auf einer unmittelbaren Wahrnehmung von realen Erlebnissen, folglich sind sie mit der gegenständlichen Welt und der sogenannten Wirklichkeit verbunden. Konzipiert sind sie dabei stets auf Basis einer persönlichen und individuellen Perspektive. So stellt sich nun die Frage, wie solche fiktiven Welten tatsächlich entstehen, wie sie aufgebaut sind, wie sie aufs Papier gebracht werden – und wie sie dabei auf Wirklichkeitskonzeptionen zurückgreifen.

In den Comics von Yann Kumbozi mischen sich real wirkende Szenen aus dem urbanen Raum in Kinshasa mit fiktiven Universen des Künstlers. Er verarbeitet politische, kulturelle und persönliche Einflüsse zu zeitlos wirkenden Erzählungen. Hier erzählt uns der Comic-Künstler wie seine Welten entstehen:

Christ Mukenge: Wie bauen Sie Ihre fiktiven Welten auf?

Yann Kumbozi: Es ist klar, dass das Universum meiner Comics eine Mischung aus Realität und einem persönlichen Beitrag ist, der sich aus der Recherche verschiedener Quellen ergibt. Für mich geht es darum, ein Gleichgewicht zwischen Realität und Fiktion zu finden: Nach einer guten Dokumentation und Recherche sammle ich Bilder, Zeichnungen, und gehe auch zu bestimmten Orten. Alles, was ich sehe, modifiziere ich so, dass die Wiedergabe originell und glaubwürdig ist … es erfordert viel Nachdenken und viele Skizzen. Es ist eine echte Herausforderung, ohne die alles ein Plagiat wäre.

Christ Mukenge: Was ist Ihre Inspiration für die Figuren und die Drehbücher?

Yann Kumbozi: Es ist leicht zu erkennen, man braucht sich nur meine Comics anzusehen: Ich zeichne meistens Charaktere. Für meine Drehbücher schöpfe ich mehr aus der Jugend, wahrscheinlich, weil ich selbst jung bin. Ich versuche, meine eigenen Erfahrungen zu interpretieren, was in meiner Umgebung geschieht und was mir im Haus eines Freundes gefallen hat. Dies sind oft meine Inspirationsquellen.

Christ Mukenge: Was ist die Verbindung zwischen Realität und Fiktion in Ihren Geschichten?

Yann Kumbozi: Oh, das ist eine schwierige Frage, aber ich würde sagen, dass die Realität, wenn sie nur erzählt würde, irrelevant wäre: Durch die Möglichkeiten der bildenden Kunst können sich die Menschen mit Dingen beschäftigen, die sie nie gesehen haben, und so durch Fiktionen individuelle Vorstellungen entwickeln. Aber Fiktion ist sehr pragmatisch, ich nutze sie, um meinen Geschichten Sinn und Leben zu geben. Meine Geschichten, auch wenn sie von einer bestimmten Realität inspiriert sind, können so vielleicht interessant werden, und das ist es, was Leser mögen… Kurz gesagt, die Verbindung, die ich in meinen Geschichten zwischen Realität und Fiktion herstelle, findet sich in der Erzählung, und wenn sie in der Geschichte gut strukturiert ist, sollte sie den Leser dazu bringen, die Geschichte zu lieben und sich die Geschichte anzueignen.

Christ Mukenge: Es gibt auch Elemente der traditionellen kongolesischen Mythologie: Was haben Sie mit der traditionellen Mythologie zu tun? Und: Wandeln Sie diese traditionellen Geschichten um oder versuchen Sie, sie zu illustrieren?

Yann Kumbozi: Alle Kongolesen sind mit einer Mythologie verbunden, die von ihren Vorfahren stammt. Ich stamme ab von einer Mukongo und einem Suaheli, und ich denke, das ist es, was mich symptomatisch dazu bringt, einige mythische Aspekte in meine Comics einzufügen… Ich muss auch zugeben, dass ich die Legende von „Kongo und Luba“ liebe, und diese symbolische Verbindung erlaubt es mir, sie in meinen Geschichten zu illustrieren… Die Verbindungen zwischen der kongolesischen Mythologie und meinen Comics bleiben rein instinktiv, und das hängt eindeutig damit zusammen, dass ich selbst kongolesisches Blut habe. Ich transformiere diese traditionellen Geschichten nicht, ich lasse mich offensichtlich von ihnen inspirieren, wenn mein Szenario mit der Mythologie übereinstimmt… Ich schreibe es auf meine eigene Art und Weise um, um meine eigene Note hinzuzufügen, was mir erlaubt, erfinderischer und kreativer zu sein. Abgesehen von den Seiten „Jugend“ und „Mythologie“ möchte ich auch eine didaktische Seite in meine zukünftigen Abenteuer einführen. Didaktik und Fiktion sind eng miteinander verbunden, auch wenn die kongolesischen Comics im Allgemeinen eher didaktisch sind. Comics ist eben diese besondere Stärke zu eigen, durch einen originellen, lustigen und lebendigen Touch in die Schule zu bringen und für kontroverse Themen zu sensibilisieren.

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