Populäre Bilder https://popularimages.org/de/ Kongolesische Perspektiven, urbane Szenen und globale Netzwerke Mon, 26 Sep 2022 16:52:57 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.1 https://popularimages.org/de/wp-content/uploads/sites/5/2020/07/cropped-favicon-32x32.png Populäre Bilder https://popularimages.org/de/ 32 32 Agit-Pop! Ein Appendix zum Populären Bild https://popularimages.org/de/blog/agit-pop/ https://popularimages.org/de/blog/agit-pop/#respond Mon, 26 Sep 2022 16:52:56 +0000 https://popularimages.org/de/?p=2029 Comics und populäre Bilder als Graswurzel-System der kollektiven Wissensproduktion: Olivia Berkowicz analysiert am Beispiel von Rocky Prod. alternative Vertriebsarchitekturen von populären Comics. Als selbstorganisierte Medienkultur bilden die Zeitschriften und Bücher ein lokales Ökosystem, das unabhängig von staatlichen und postkolonialen Machtstrukturen und Institutionen funktioniert.

The post Agit-Pop! Ein Appendix zum Populären Bild appeared first on Populäre Bilder.

]]>
Die Geschichte der Verbreitung von „poor images“[1] bzw. populären Bildern hat ihre Wurzeln in den linken Traditionen der Medienverbreitung. Solch ein Ansatz findet sich in der Geschichte der Agit-Prop des frühen 20. Jahrhunderts in Sowjetrussland.[2]  Dies schließt an die Argumentation der Künstlerin und Theoretikerin Hito Steyerl an, welche im vorangegangenen Text dieser Ergänzung, nämlich “In Defense of the Popular Image” (Mai 2021), untersucht wurde. In ihren Schriften stellt sie fest, dass die Geschichte der Zirkulation der „poor images“ linken Bildkulturen wie der Agit-Prop geschuldet ist:

„Das „poor image“ – so ambivalent sein Status auch sein mag – reiht sich ein in die Genealogie von durchschlagenden Pamphleten, cineastischen Agit-Prop-Filmen, Underground-Videomagazinen und anderen nonkonformistischen Materialien, die sich ästhetisch oft „poor materials“ bedienten.“[3]

Interessant ist hier der etymologische Charakter der Wortneuschöpfung: agitieren bedeutet bewegen und zirkulieren; propagieren bedeutet verbreiten und säen. Ein populäres Bild hat genau diese beiden Eigenschaften: Es ist ein Medium, das schnell Informationen aussät, und das die Vorstellungskraft der Leser*innen bewegt.

Wenn wir das Potenzial des populären Bildes im Kontext von Kinshasa betrachten, stellen wir fest, dass die Produktion von Comic-Heften und Magazinen durch Rocky Production genau diese Fähigkeit besitzt, die Menschen mit der Macht des Bildes zu berühren. Im Unterschied zum staatlich gelenkten, zentralisierten Propagandaapparat der Agit-Prop werden die populären Bilder der Rocky-Magazine durch ein verstreutes Modell „von unten“ erzeugt, wie Rocky im Interview “Lokaler Comic-Vertrieb von Rocky Production” mit der Kulturjournalistin Ketshia Ngamala erklärt.[4] Rocky führt darin aus,

„[…] die Ideen stammen aus unserer Gesellschaft. Ideen aus der Gesellschaft über die Gesellschaft. Auf dieser Grundlage denke ich darüber nach, was wir der Gesellschaft anbieten können, was wir unseren Kindern zu lesen geben können. Es ist, als würden wir ihnen eine Lektion erteilen, eine Lektion über das Leben in unserer Gesellschaft.“[5]

In Anlehnung an das obige Zitat könnte man dieses neue Verbreitungsformat vielleicht besser als eine Form von Agit-Pop bezeichnen: populäre Bilder mit dem Vermögen, die Menschen und ihre Alltagserfahrungen zu bewegen. Im weiteren Verlauf des Interviews führt Rocky aus, dass die Comicmagazine oft von unabhängigen Verkäufer*innen in Schulen an junge Schüler*innen und auf lokalen Märkten verkauft werden. Diese Comics haben somit eine pädagogische Funktion, da sie dazu dienen, Französisch und Lingala zu üben, aber auch, um etwas über gesellschaftspolitische Themen zu lernen.

Durch die Verbreitung von Comic-Heften und Magazinen durch Rocky Production wird eine alternative Vertriebsstruktur geschaffen. Darüber hinaus schaffen sie auch ein Graswurzel-System der Wissensproduktion. So entwickeln die populären Bilder eine selbstorganisierte Medienkultur, die unabhängig von „top-down“ Institutionen wie Schulen und staatlichen Stellen ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Bedeutung dieser Strategie der Bildverbreitung darin liegt, dass sie sich der Domestizierung oder Zähmung dieser verschiedenen Wissenspraktiken widersetzt. [6] In diesem Sinne sind Rocky Production und sein Netzwerk ein wichtiger Knotenpunkt im Ökosystem von Kinshasa, wobei diese interlokalen Medienkanäle als Widerstandsformen gegen postkoloniale Abhängigkeiten und Machtstrukturen fungieren.


[1] Das Begriffskonzept „poor images“ geht zurück auf Hito Steyerl; siehe dazu auch Fußnote 3 und 4.

[2] Angesichts der laufenden Invasion der Ukraine durch Russland ist die Geschichte der Bildproduktion und -verbreitung in Sowjetrussland und ihre heutige Wiederholung über digitale Kanäle auch aktuell sehr relevant. Weitere Informationen über die digitale Verbreitung von (Des-)Informationen, Infrastrukturen für fossile Brennstoffe und Medienkulturen, die in den ersten 100 Tagen der Invasion veröffentlicht wurden, finden Sie hier; https://www.e-flux.com/journal/126/460518/putin-restoration-of-destruction/; und hier; https://www.e-flux.com/journal/107/322782/is-data-the-new-gas/. Zugriff: 16. Juli 2022.

[3] Steyerl, Hito: “In Defense of the Poor Image.” e-flux, e-flux Journal #10, 2009. www.e-flux.com/journal/10/61362/in-defense-of-the-poor-image/. Zugriff: 16. Juli 2022. Übersetzung ins Deutsche durch die Redaktion.

[4] Ngamala, Ketshia: “Lokaler Comic-Vertrieb von Rocky Production”; Populäre Bilder, https://popularimages.org/de/blog/rocky-episode-3. Zugriff: 16. Juli 2022. Nach Zitaten aus dem Film, Übersetzung ins Deutsche durch die Redaktion.

[5] Ngamala, Ketshia: “Lokaler Comic-Vertrieb von Rocky Production”; Populäre Bilder, https://popularimages.org/de/blog/rocky-episode-3. Zugriff: 16. Juli 2022.

[6] Ruangrupa: documenta fifteen Handbook, Berlin, Hatje Cantz, 2022, Seite 17.


 

Gastautorin in diesem Artikel: OLIVIA BERKOWICZ

Photo: Viktorija Šiaulytė

Homepage: http://oliviaberkowicz.com/

Instagram: @oliviaberkowicz

The post Agit-Pop! Ein Appendix zum Populären Bild appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/agit-pop/feed/ 0
Where the fuck is Erlangen? / 2022 https://popularimages.org/de/blog/where-the-fuck-is-erlangen-2022/ https://popularimages.org/de/blog/where-the-fuck-is-erlangen-2022/#respond Wed, 13 Jul 2022 12:14:38 +0000 https://popularimages.org/de/?p=2019 Nachdem der Comic-Salon 2020 abgesagt wurde, mussten die Künstler*innen des Projekts „Populäre Bilder“ zwei Jahre lang auf ihre Reise nach Erlangen warten. Dieses Jahr im Juni war es endlich soweit, der Internationale Comic-Salon 2022 konnte stattfinden – und somit auch die langersehnte Ausstellung! Drei der Künstler*innen aus Kinshasa haben ihre Eindrücke und Erfahrungen, die sie während ihres Aufenthalts in Erlangen gemacht haben, in Zeichnungen festgehalten.

The post Where the fuck is Erlangen? / 2022 appeared first on Populäre Bilder.

]]>
Santa Kakese, Yann Kumbozi und Judith Kaluaji geben zeichnerisch ihre Erfahrungen wieder: Hier berichten die drei jungen Comic-Künstler*innen von einem Besuch auf der Erlanger Bergkirchweih, den Problemen mit dem lokalen Essen oder über neue Bekanntschaften während ihrer ersten Reise nach Europa.

© Judith Kaluaji
© Judith Kaluaji
© Judith Kaluaji
© Judith Kaluaji
© Judith Kaluaji

Judith Kaluaji hat am Internationalen Comic-Seminar Erlangen vom 9. bis 16. Juni 2022 teilgenommen, ebenso wie an der Ausstellung „Populäre Bilder“. Dieser Comic ist im Rahmen des Seminars entstanden und vermischt ihre Beobachtungen auf der Erlanger Bergkirchweih, die sie besucht hat, mit ihren eigenen Imaginationen. Da sie selbst keinen Alkohol trinkt, hat die Künstlerin versucht sich vorzustellen, wie ihr Besuch ausgesehen hätte, wenn sie das dort angebotene Bier probiert hätte.


© Yann Kumbozi
© Yann Kumbozi
© Yann Kumbozi
© Yann Kumbozi

Yann Kumbozi hat als Künstler an der Ausstellung „Populäre Bilder“ teilgenommen. In diesem Rahmen hat er seine Comics zum Verkauf angeboten und diese gern für seine Kund*innen vor Ort signiert – und auch einige Besucher*innen gezeichnet. In diesen Karikaturen berichtet er von seiner Erfahrung mit seinen Fans, vom Erlanger Nachtleben und seiner Rückkehr nach Kinshasa.


© Santa Kakese
© Santa Kakese

Santa Kakese hat am Comic-Seminar und an der Ausstellung „Populäre Bilder“ während des Internationalen Comic-Salons Erlangen teilgenommen. Genug Zeit also, um Erlangen zu entdecken. Dass das manchmal auch schwierig war, zeigt Santa in ihrer Karikatur. Das Heimweh hat sie besonders beim ungewohnten Essen erwischt. Doch die Motivation, als Comic-Künstlerin Erfahrungen zu sammeln, zu lernen und die eigene Arbeit zu zeigen, vertrieb das Heimweh dann doch – Comics überall, sogar auf dem Teller!

The post Where the fuck is Erlangen? / 2022 appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/where-the-fuck-is-erlangen-2022/feed/ 0
Ausstellungsansicht “Populäre Bilder” / 20. Internationaler Comic-Salon 2022 in Erlangen https://popularimages.org/de/blog/exhib-visit/ https://popularimages.org/de/blog/exhib-visit/#respond Tue, 21 Jun 2022 10:24:09 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1992 Die multimediale Ausstellung „Populäre Bilder“ zeigte Arbeiten von insgesamt zehn Künstler*innen aus Kinshasa, Lubumbashi und der kongolesischen Diaspora: Barly Baruti, Asimba Bathy, Thembo Kash, Al’Mata, Papa Mfumu’eto 1er, Rocky Prod., Santa Kakese, Judith Kaluaji, Yann Kumbozi und Tétshim.

The post Ausstellungsansicht “Populäre Bilder” / 20. Internationaler Comic-Salon 2022 in Erlangen appeared first on Populäre Bilder.

]]>
Die Raumgestaltung wurde von Julien Kneuse le Ray umgesetzt.

Galerie / Hauptstraße 48

Showroom / Hauptstraße 42-44

16.–19. Juni 2022 

Alle Aufnahmen: © Mukenge/Schellhammer


Ausstellungsdesign:

Julien Kneuse le Ray

lefilou Raum & Création

www.lefilou-uferlos.com

The post Ausstellungsansicht “Populäre Bilder” / 20. Internationaler Comic-Salon 2022 in Erlangen appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/exhib-visit/feed/ 0
Ausstellungsaufbau „Populäre Bilder“ auf dem Comic-Salon 2022 – mit ersten Gästen https://popularimages.org/de/blog/comic-salon-ausstellung/ https://popularimages.org/de/blog/comic-salon-ausstellung/#respond Mon, 13 Jun 2022 09:35:38 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1963 Die Vorbereitungen für den 20. Internationalen Comic-Salon in Erlangen laufen auf Hochtouren, und auch der Ausstellungsaufbau für das Projekt Populäre Bilder hat begonnen. Die Raumkonzeption und Gestaltung der Ausstellung wird von dem Künstler Julien Kneuse le Ray aus Augsburg umgesetzt. Auch die ersten Gäste sind schon angekommen: Die beiden Künstler*innen Judith Kaluaji und Santa Kakese nehmen dieses Jahr am Internationalen Comic-Seminar Erlangen teil. Wir haben ein paar Eindrücke der Vorbereitungen gesammelt und freuen uns schon sehr auf die Eröffnung am kommenden Donnerstag um 12 Uhr – und insbesondere auf alle Besucher*innen! Jede*r ist herzlich willkommen!

The post Ausstellungsaufbau „Populäre Bilder“ auf dem Comic-Salon 2022 – mit ersten Gästen appeared first on Populäre Bilder.

]]>
Santa Kakese und Judith Kaluaji vor dem Kulturamt Erlangen – mit ihren mitgebrachten Comics und dem Plakatmotiv von Thembo Kash.
Das Material für die Ausstellungsdekoration wird im Atelier von Julien Kneuse le Ray vorbereitet.
Die Kunstwerke sind gerahmt und bekommen ihren Platz.
Die ersten Kunstwerke hängen bereits!

The post Ausstellungsaufbau „Populäre Bilder“ auf dem Comic-Salon 2022 – mit ersten Gästen appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/comic-salon-ausstellung/feed/ 0
Kinshasas Populärkultur: Von Papa Mfumu’eto zu Youtube https://popularimages.org/de/blog/populaere-kultur/ https://popularimages.org/de/blog/populaere-kultur/#respond Tue, 07 Jun 2022 17:22:16 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1940 Die Populärkultur in Kinshasa, ihre narrativen Strategien, ihre Rolle in der Gesellschaft und ihre Veränderung mit der Zeit: Der Kunstkritiker und -forscher Jean Kamba zeigt die Zusammenhänge von Populären Comics, Musik und Fernsehen.

The post Kinshasas Populärkultur: Von Papa Mfumu’eto zu Youtube appeared first on Populäre Bilder.

]]>
Das Narrativ von Kinshasas Populärkultur und ihre Fermente passen sich auch den Entwicklungen der Kommunikationsmedien an, indem sie auf technologische Innovationen aufspringen, die durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien angekurbelt werden.

Dieses Narrativ war schon immer in großem Umfang in der Populären Musik, dem von den Stars verbreiteten, kongolesischen Rumba, zu finden, sowie auch in Fernsehdramen, die allgemein als “Maboke” bezeichnet und regelmäßig über lokale Fernsehsender ausgestrahlt werden; und vor allem durch Populäre Comics, darunter die des berühmten Papa Mfumu’eto.

»Urgent : BAKALI NA KYLER BA LELISI KOFFI OLOMIDE BO TALA MAKAMBU ELEKI NA KINSHASA ODIA A LELI« AFRICA INFOS, Youtube, 2022.

Heutzutage kommen noch hybride Fernsehsendungen und -shows hinzu, die schwer charakterisierbar und unklassifizierbar sind, wie “Lingala facile”[1], “Kin makambo”[2] usw., die alltägliche Geschehnisse mit dem Fokus auf den “Skandal” verbinden. Auch wimmelt es im Netz von Beiträgen, in denen Musiker sowie berühmte kongolesische Persönlichkeiten eingeladen werden, um unter Schlagwörtern zu polemisieren oder Angriffe zu starten, welche die Zuschauer*innen zum Anklicken bewegen und die Anzahl der Aufrufe ihrer YouTube-Kanäle erhöhen sollen.

Wie bereits erwähnt, haben die Informations- und Kommunikationstechnologien dieses Narrativ ins Digitale verlagert, und die sozialen Netzwerke verbreiten diese Inhalte nach Herzenslust. Die Anzahl der angebundenen Personen ist gigantisch, weil sie auf die dort verbreiteten Inhalte versessen sind. Vor allem diejenigen aus der kongolesischen Diaspora bleiben auf diese Weise mehrheitlich mit ihrem Heimatland verbunden und nähren ihre Phantasie über diese Inhalte.

Die Schlüsselwörter in diesem Narrativ bleiben die “Sensation” und der “Skandal”, die etwas paradoxerweise mit dem “moralistischen” Ansatz im Hintergrund koexistieren.

Der Skandal ist eine ernste Angelegenheit, die wichtige Personen verwickeln oder kompromittieren kann, und welcher die öffentliche Meinung erschüttert und empört. Es ist eine schändliche Tatsache oder ein schändliches Ereignis, das Empörung hervorruft.[3]

Die Codes von Mfumu’eto und der Youtuber*innen

Photo of Revue Mfumu’Eto :”Super Choc 31. La Véritable Mwan’a Mbanda.” Cover Image.
Courtesy of the Papa Mfumu’Eto 1er Papers, George A. Smathers Libraries, University of Florida. https://ufdc.ufl.edu/collections/mfumss/ 

Wenn man sich die Vielzahl der Ausgaben von Papa Mfumu’eto ansieht, stellt man ohne weiteres fest, dass der Skandal den zentralen Platz in seinen Erzählungen einnimmt. Schon die Titel deuten auf den ersten Blick darauf hin: Nguma ameli muasi (Eine Boa verschluckte eine Frau), Pastor akangi ngando ya mystic a lata rosary (Ein Pastor macht ein teuflisches Krokodil unschädlich, das einen Rosenkranz trug), Baby oyo abimaka na zemi ya maman naye na butu (Die Geschichte eines Babys, das jede Nacht aus dem Bauch seiner Mutter kommt), Magic ya somo na kati ya Nationalhymne ya Zaire? (Ist die Nationalhymne von Zaire reine Magie?), usw.[4]

Photo of Revue Mfumu’Eto: »Bébé Oyo Abimaka Na Zemi Ya Mama Na Ye Na Butu«, 20 April 1999, Cover Image, Courtesy of the Papa Mfumu’Eto 1er Papers, George A. Smathers Libraries, University of Florida. https://ufdc.ufl.edu/collections/mfumss/ 

Ebenso werden Bilder berühmter Persönlichkeiten verwendet, um Publikum anzuziehen, durch Überschriften wie: Ya mungul akei koluka mosala na AFDL? (Hat Munguludiaka nach Arbeit bei der AFDL gesucht?), Mobutu akomi fazeur? (Ist Mobutu obdachlos geworden?), etc.[5]

Diese Auswahl von Comicausgaben wurde damals aufgrund ihrer Zugänglichkeit im lokalen Vertrieb, ihres Preises, der Einfachheit ihrer sowohl verbalen als auch bildhaften Sprache und der Selbstidentifikation in den wiedergegebenen Geschichten massenweise konsumiert.

Film Still, »BA KULUNA BA KOTELI BA SOLDATS«, Moliere TV (Youtube Channel), 2017.

In den aktuellen YouTube-Beiträgen geht es natürlich nicht um fiktive Begebenheiten wie bei Mfumu’eto, sondern um wahre Begebenheiten, aber die beiden bedienen sich fast der gleichen sprachlichen Elemente. Der Zugang zum Internet erleichtert es vielen, vernetzt zu sein, die verwendete Sprache ist hauptsächlich Lingala, die visuellen sozialen Codes sind die gleichen, die Personen reagieren auf dieselben Profile und sogar die Titeltechniken sind die gleichen, zum Beispiel: Urgent sextape ya Moise Mbiye scandale sextape (Dringend! Sextape de Moise Mbiye Sextape-Skandal); Kake! Après FR Michel, Moise Mbiye scandale sextape (Eilmeldung! Nach FR Michel, Moise Mbiye Sextape-Skandal); Ken Mpiana atindeli Koffi Olomide message ya somo (Ken Mpiana sendete Koffi Olomide eine skandalöse Nachricht), Etumba ! Sankara Dekunta asasi nde ko sasa Zacharie (Skandal! Sankara Dekunta massakrierte Zacharie). Und dies ist nur eine Auswahl von Titeln und Links, die massenweise aufgerufen und verfolgt werden; was sich anhand der Anzahl der Aufrufe oder Personen, die auf die Links geklickt haben, einfach belegen lässt.


[1] Auf Youtube zu sehen.                                                                                                                                         

[2] Siehe ebenfalls bei Youtube.

[3] Microsoft® Encarta® 2009 © 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[4] Nancy Rose Hunt, »Papa Mfumu’Eto 1er, star de la bande dessinée kinoise«, Beauty Congo, 1926-2015: Kongo Kitoko, Ausstellungskatalog, 2015, S. 276-281.

[5] Idem.

The post Kinshasas Populärkultur: Von Papa Mfumu’eto zu Youtube appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/populaere-kultur/feed/ 0
Machini: Kritische Bilder jetzt auch als Comic https://popularimages.org/de/blog/machini/ https://popularimages.org/de/blog/machini/#respond Tue, 24 May 2022 07:53:24 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1924 Seit etwa zehn Jahren arbeiten Tétshim und Frank Mukunday zusammen. Tétshim ist Zeichner und Comic-Künstler, Frank Mukunday ist Videokünstler. Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit verbinden sie Video und Zeichnung zu Animationsfilmen und schaffen darin mit verschiedenen Materialien wie Kieselsteinen, Kreide oder rostigen Gegenständen ein einzigartiges formales Universum. Ihr bekanntester Kurzfilm ist „Machini“, der nun auch als Comic veröffentlicht wurde.

The post Machini: Kritische Bilder jetzt auch als Comic appeared first on Populäre Bilder.

]]>
Nach dem großen Erfolg des Kurzfilms hat die belgische Organisation Africalia die Umsetzung des Comics finanziert und unterstützt. Der Comic wurde erstmals auf dem Comicfestival in Angoulême vom 7. bis 20. März 2022 vorgestellt.

Die beiden Künstler leben und arbeiten in Lubumbashi im Süden der Demokratischen Republik Kongo, einer Schlüsselstadt im Zentrum des riesigen “Kupfergürtels”, der sich bis nach Sambia erstreckt.

Ihr Projekt “Machini (Maschine)” beschäftigt sich mit der von Rohstoffindustrie verursachte Umweltverschmutzung den Profiteuren der Rohstoff-Förderung: Unternehmen, die Elektroautos und Mobiltelefone herstellen. Die Materialien, die Tétshim und Frank Mukunday für die Produktion ihrer Animationen verwenden, beziehen sich formal auf diese industriellen Zusammenhänge:

Von Hand mit Bleistift gezeichneten Felsen, rostige Maschinenreste, Kieselsteine aus Extraktionsgebieten. Lubumbashi ist der Hauptsitz großer kongolesischer Bergbauunternehmen, darunter Gécamines (GCM), Ruashi Mining, Tenke Fungurume Mining (TFM) und Société de Traitement du Terril de Lubumbashi (STL).

© Tétshim/Mukunday

„Machini“ illustriert und kritisiert die illegale Ausbeutung von Mineralien in der Region, insbesondere von Kobalt, durch Bergbau verschmutzte Flüsse, die Zerstörung des Ökosystems und dessen Folgen für die lokale Bevölkerung. Auch die Arbeitsbedingungen in den Bergbauunternehmen werden zum Thema. Die Individualität und die Rechte der Arbeiter*innen werden so weit verkannt, dass Frank Mukunday und Tétshim sie mit Maschinen vergleichen, die ohne Pause arbeiten.

© Tétshim/Mukunday

„Machini“ ist ein Aufruf für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Gleichzeitig ist es eine Kritik an modernen ökologischen Ansätzen. Die größten Vorkommen an Rohstoffe wie Kobalt und Lithium, die beispielsweise für Elektroautos, Symbol für modernen Umweltschutz, gebraucht werden, befinden sich im Kongo. Und es ist bekannt, dass in den Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo Kinder unter unmenschlichen Bedingungen beschäftigt werden. Millionen von Menschen leiden unter den Umweltfolgen.

Mit großem Talent und ungewöhnlichen künstlerischen Ansätzen setzen sich Tétshim und Frank Mukunday mit diesen komplexen Zusammenhängen auseinander und machen sie einem internationalen Publikum zugänglich.

© Tétshim/Mukunday
© Tétshim/Mukunday
© Tétshim/Mukunday
© Tétshim/Mukunday
© Tétshim/Mukunday

Autoren:
Tétshim (Comiczeichner)
Frank Mukunday (Videokünstler)

Herausgeber:
L’ASBL AFRICALIA (verantwortlich für die materielle Produktion des Werks).

Partner:
Twenty Nine Studio und Produktion, vertreten durch Rosa Spaliviero (ausführende Produktion des Werks).

The post Machini: Kritische Bilder jetzt auch als Comic appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/machini/feed/ 0
Seine Majestät, Autor der Comics https://popularimages.org/de/blog/sa-majeste/ https://popularimages.org/de/blog/sa-majeste/#respond Fri, 29 Apr 2022 09:27:31 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1899 „Seine Majestät“, Papa Mfumu'eto 1er hat sich selbst zum Imperator erklärt. Seine Comics und Malereien bringen spirituelle Welten mit Kinshasas Alltag und Politik zusammen. Eine Reportage von Ketshia Ngamala.

The post Seine Majestät, Autor der Comics appeared first on Populäre Bilder.

]]>
YouTube Video

Video: Azgard Itamba

Papa Mfumu’eto 1er ist das Pseudonym (seine persönliche Marke) von Jaspe-Saphir Nkou-Ntouala.

Papa Mfumu’eto 1er wurde am 26. Februar 1963 in Matadi geboren und ist ein Comic-Autor und Maler. In seinen Comics und Gemälden gibt dieser selbsternannte Kaiser und seine Majestät einen Einblick in die chaotische Ordnung, die in Kinshasa herrscht. Seiner Meinung nach ist es die zweite Welt, die für das tägliche Leben ausschlaggebend ist, die parallele und nächtliche Welt, in der die Ahnen und Geister herrschen. Und je mehr man diese Welt rationalisiert, desto weniger begreift man sie. Seine eigene Berühmtheit ist Teil seiner Erzählungen. Er spricht und schreibt über sich in der dritten Person und bezeichnet sich selbst als “der Erste” oder “euer Geliebter”, wenn er sich an seine Fans wendet.

In diesem Video öffnet uns Papa Mfumu’eto 1er eine seiner vielen Geheimtüren. Er zeigt uns die Definition seines Arbeitsbereichs, in dem er seine Comics und Gemälde produziert. Für ihn ist es sehr wichtig, einen abgeschiedenen Ort zu haben, der es ihm ermöglicht, in Erinnerungen zu schwelgen und sich den Alltag seiner Familie oder der Öffentlichkeit in Kinshasa, die er gut kennt, vor Augen zu führen.

The post Seine Majestät, Autor der Comics appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/sa-majeste/feed/ 0
Fiktionen des Realen. Über die Möglichkeit, durch bildliches Erzählen Realitäten zu repräsentieren https://popularimages.org/de/blog/kumbozi-kakese/ https://popularimages.org/de/blog/kumbozi-kakese/#respond Fri, 11 Mar 2022 12:18:12 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1886 Die brandneuen Publikationen "207" von Santa Kakese und "Awa" von Yann Kumbozi sind Erzählungen, die auf der kongolesischen Realität basieren. Diese Erzählungen bieten eine Gegenerzählung zu den gängigen Berichten über Kinshasa und die Demokratische Republik Kongo, die von stereotypen Bildern und Klischees geprägt sind.

The post Fiktionen des Realen. Über die Möglichkeit, durch bildliches Erzählen Realitäten zu repräsentieren appeared first on Populäre Bilder.

]]>
© Santa Kakese, 207, S.5
© Santa Kakese, 207, S.6
© Santa Kakese, 207, S.9
© Santa Kakese, 207, S.12
© Santa Kakese, 207, S.17
© Santa Kakese, 207, S.44

“Die heiße Sonne im Kongo hängt über den Köpfen der Passanten in Kinshasa, ein verrückter Fahrer und ein rebellischer Ticketverkäufer – was könnte es sonst Außergewöhnlicheres geben, um die Melodien der perfekten Musik zu komponieren und zu übersetzen, die die ganze Atmosphäre der schönen Stadt “Kinshasa” ausmacht?

Von Blau über Gelb bis hin zu Rot zeigt uns der Künstler die Demokratische Republik Kongo in all ihren Farben und Formen. Damit wird die letzte Neugier der Verehrer der guten Stimmung, des echten Lebens, der sozialen Gegebenheiten und unserer täglichen Realitäten gestillt.”

Vorwort zu “207”, geschrieben von Ihrer Majestät Crebix Mozalisi.


Drehbuch und Zeichnungen: Santa Kakese und Jp Bindo

Farbe: Reddy Ngoma

Veröffentlicht von Arts Kfs.


Diese auf wahren Begebenheiten und dem Alltagsleben in Kinshasa basierenden Erzählungen sind bei jungen Autor:innen und Künstler:innen der kongolesischen Comicszene sehr angesagt. Als persönliche und subjektive Form scheint das Comiczeichnen besonders geeignet, um das eigene Leben und die eigenen Erfahrungen darzustellen.

Die Reflexion der persönlichen Erfahrungen des Künstlers/der Künstlerin und deren subjektiver Blick auf die Welt nimmt hier einen besonderen Stellenwert ein.

Diese Perspektiven kongolesischer Künstler:innen auf Kinshasa sind nicht nur im lokalen Kontext von Bedeutung. Im internationalen Kontext bieten sie eine Gegendarstellung zu den gängigen Narrativen über Kinshasa und die Demokratische Republik Kongo. Oftmals sind im internationalen Kontext nur die Perspektiven von Personen außerhalb Kinshasas präsent.

Die Mehrheit der Onlineartikel über das Land werden beispielsweise nicht von Kongoles:innen, sondern von Personen aus dem Westen, vor allem aus Europa und den USA, verfasst. Das Ergebnis ist ein sehr einseitiges Bild von Kinshasa, das von stereotypen Bildern und Klischees geprägt ist. Die urbanen Comic-Künstler:innen bieten ein viel intimeres und komplexeres Bild ihrer Stadt und deren Bewohner:innen.


© Yann Kumbozi, Awa, S.1
© Yann Kumbozi, Awa, S.2
© Yann Kumbozi, Awa, S.9
© Yann Kumbozi, Awa, S.11
© Yann Kumbozi, Awa, S.17
© Yann Kumbozi, Awa, S.0

“Awa, die durch einen Krieg im Osten der DR Kongo zur Waise wurde, wird nun von ihrer Tante Mamu und Tatu, die keine Kinder haben, erzogen und aufgenommen. In der Nachbarschaft lernt Awa Ken kennen, den Sohn eines reichen Geschäftsmannes aus dem unsteten Amerika, der mehreren Mädchen den Hof macht und sie zu einem Leben voller Ausschweifungen und Gewissenlosigkeit verleitet.

Sie schwänzt die Schule, geht vermehrt aus, zieht den Ärger von Mamu auf sich…

Das Dilemma ist, dass sie schließlich bei Mamu rausgeschmissen wird und auf der Straße landet.”

Synopsis von “Awa”, geschrieben von Yann Kumbozi.


Der Comic “Awa” soll in zwei Bänden erscheinen: 1. Schwarzer Samstag / 2. Die Bedrohung. Die ersten Bände erscheinen zwischen Ende April oder Mitte Mai 2022 im Verlag Éditions Étincelle aus China im kartonierten A4-Format mit 52 Seiten.

Drehbuch und Zeichnungen: Yann Kumbozi.

Farbgestaltung: Reddy Ngoma

The post Fiktionen des Realen. Über die Möglichkeit, durch bildliches Erzählen Realitäten zu repräsentieren appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/kumbozi-kakese/feed/ 0
Lokaler Comic-Vertrieb von Rocky Production / Rocky Episode III https://popularimages.org/de/blog/rocky-episode-3/ https://popularimages.org/de/blog/rocky-episode-3/#respond Mon, 14 Feb 2022 15:28:16 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1869 Die Populären Comics von Rocky Production werden auf Märkten und an Schulen von vielen Händler:innen angeboten. Die Kulturjournalistin Ketshia Ngamala recherchiert, wie Rocky und zwei Verkäufer:innen den Comic-Vertrieb organisieren, was ihre Kund:innen mögen und warum für sie Comics mehr sind als Unterhaltung.

The post Lokaler Comic-Vertrieb von Rocky Production / Rocky Episode III appeared first on Populäre Bilder.

]]>
YouTube Video

Video: Cedrick Tshimbalanga

Rocky Productions verfügt über ein ganzes Netz an Verkäufer:innen, die deren Comics in verschiedenen Gemeinden Kinshasas verbreiten. Diese Verkäufer:innen bieten ausschließlich die Comics von Rocky Production an. Ihnen zufolge ist den Kund:innen am wichtigsten, dass die Comics Geschichten erzählen, mit denen man sich identifizieren kann und die eng mit dem alltäglichen Leben verknüpft sind. Sie finden darin Kommentare und Erzählungen zu aktuellen Ereignissen, dem gesellschaftlichen Leben, dem Leben in der Nachbarschaft, zu Politik, Informationen über Prominente, Gerüchte, aber auch zu Bildung.

Diese Mischung zieht ein breites Publikum an: Kinder, Erwachsene, Jugendliche, sie alle sind neugierig darauf, immer wieder neue Rocky Produktionen zu entdecken. Auch die Verkäufer:innen freuen sich darüber, die Comics von Rocky Productions zu verkaufen, denn viele Kund:innen kaufen sie um lesen zu lernen, sich besser ausdrücken zu können, um ihre Lingala- oder Französischkenntnisse zu verbessern oder um ihr politisches und gesellschaftliches Allgemeinwissen zu erweitern.

The post Lokaler Comic-Vertrieb von Rocky Production / Rocky Episode III appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/rocky-episode-3/feed/ 0
Unterwegs in Kinshasa mit Sebastian Lörscher https://popularimages.org/de/blog/unterwegs-mit-sebastian/ https://popularimages.org/de/blog/unterwegs-mit-sebastian/#respond Tue, 18 Jan 2022 14:15:10 +0000 https://popularimages.org/de/?p=1837 Sebastian Lörscher ist Zeichner und Autor und lebt in Berlin. Mit Stift und Skizzenbuch hält er seine Eindrücke als Zeichnungen, Texte und Bildsequenzen fest. Im Rahmen des Africomics-Projekts des Goethe-Instituts hat er Kinshasa besucht und seine Reise als gezeichnete Reportage dokumentiert.

The post Unterwegs in Kinshasa mit Sebastian Lörscher appeared first on Populäre Bilder.

]]>
1/9 © Sebastian Lörscher

Sturzbachartiger Regen, kniehoch strömt braunes Wasser durch die Straßen, eine 15 Millionen-Metropole steht still. Klitschnass kommen wir im Haus von Lydia und Christ an. Ihr ebenfalls durchnässter Hund freut sich über meinen Besuch. Mein erster Tag in Kinshasa. Darauf wartend, dass meine Kleidung trocknet, mache ich eine erste Zeichnung.


2/9 © Sebastian Lörscher

Die Dachterrasse des Büros von meinem Workshop-Partner Jérémie. Dort drüben Brazzaville, dort unten die plärrenden Kirchen, das Kreischen der Sägen, das Stöhnen der Fußballfans. Jérémie erzählt mir, dass er als Kind immer gerne sterben wollte, weil man ihm sagte, dass im Himmel all die großen Stars auf ihn warten würden.


3/9 © Sebastian Lörscher

Workshop, Tag 1. Ich habe noch nie mit einer Gruppe so gut ausgebildeter Zeichnerinnen und Zeichner gearbeitet. Mehr als das noch beeindruckt mich die Energie, mit der sie daran arbeiten, ihre Kunst in diesem schwierigen und oft nicht sehr künstlerfreundlichen Umfeld bekannter zu machen. Hat jemand einen neuen Comic gezeichnet, so organisieren sie alles gemeinsam als Gruppe – Finanzierung, Druck, Vertrieb. Einen Verlag hat niemand. »Si quelqu’un veut nous amener quelque part – bon. Sinon on avance quand-même.«*

* »Wenn uns jemand unterstützen will – schön. Wenn nicht, kommen wir auch alleine voran.«


4/9 © Sebastian Lörscher

Bandal, Viertel der Bars, »Kinshasa, c’est l’ambiance«*. After-Workshop-Biere mit deutschem Namen (»Mützig«), die Musik ist so laut, dass wir einander in die Ohren schreien müssen. Die Luft riecht nach rauchender Kohle. Ich esse auf ein Holzstäbchen gespießte Grillen, es wird mir gesagt, sie schmecken wie Krabben. Es stimmt.

* »Kinshasa bedeutet Stimmung!« / »In Kinshasa tobt das Leben!«


5/9 © Sebastian Lörscher

»Les Congolais sont les spécialistes pour venir en retard«* sagt mein Fahrer Cédrick. Er selbst ist da anders. Cédrick kennt alle Löcher in den Straßen Kinshasas, und obwohl es wieder regnet, komme ich pünktlich zum Workshop. Alle anderen sind noch nicht da. Auf der Torschwelle wartend sehe ich zu, wie die Sonne herauskommt und mit ihr das Leben zurück auf die Straße. Die Shop-Besitzer wischen ihre Plastikstühle trocken, die Frauen beginnen ihre Haare zu flechten.

* »Die Kongoles*innen sind die Spezialisten im Zuspätkommen.«


6/9 © Sebastian Lörscher

Wie laut es in Kinshasa ist, selbst nachts. Unten im Pool, der einzig ruhige Ort der Stadt. Ich tauche hinab. Einzig das Knacken meines Knies hört man hier. Solange es geht bleibe ich hier unten, dann schnappe ich nach Luft. Eine Katze sonnt sich im Licht der Gartenbeleuchtung.


7/9 © Sebastian Lörscher

Der Verkäufer schüttet eine Dose voll Erdnüsse auf den Tisch, 15 Hände greifen zu. Die Nüsse sind feucht und weich vom Regen und schmecken ganz wunderbar. Wir sind platt von fünf Tagen Workshop, Zeichnen, Diskutieren, Geschichtenerzählen. Platt und glücklich, ich zumindest. Ich schaffe es kaum mehr, mich an den Gesprächen zu beteiligen. Die Worte auf Lingala, die mir beigebracht werden, vergesse ich in dem Moment, in dem ich sie ausspreche. Noch eine Runde, »on est ensemble!«.*

* »Wir sind zusammen.« / »Wir sind ein Team.«


8/9 © Sebastian Lörscher

Congo River, Wochenende. Mein freier Tag, bevor es weiter geht nach Ruanda, zum nächsten Workshop. Fischsuppe in Bananenblättern, Maniok, laufend kommen Leute an unseren Tisch. Ein Autor liest aus seinem neuen Buch, Kinder spielen auf selbstgebastelten Gitarren, ein alter Mann singt uns Lieder über die Liebe. Weiß geschminkte Comedians machen Witze auf Lingala. Alles was ich verstehe, ist, dass sie auf meine Kosten gehen. Ich lache trotzdem mit.


9/9 © Sebastian Lörscher

»Profession?«*, will die Frau hinter dem Schalter wissen. Sie trägt Uniform und hat flaumige Koteletten auf den Wangen. »Artiste«**, antworte ich. »Artiste?«, die Frau sieht mich mit einem Blick an, der bedeuten soll, dass ich mir lieber etwas anderes suchen solle. Dann drückt sie einen Stempel in meinen Pass und wünscht mir mit einem ehrlich freundlichen Lächeln »bon voyage«.

* »Beruf?«

** »Künstler.«


Gastautor in diesem Beitrag: SEBASTIAN LÖRSCHER

Sebastian Lörscher, mit Jérémie Nsingi / © Lörscher

Homepage: www.sebastian-loerscher.de

Projekt Africomics: Link zum Projekt

The post Unterwegs in Kinshasa mit Sebastian Lörscher appeared first on Populäre Bilder.

]]>
https://popularimages.org/de/blog/unterwegs-mit-sebastian/feed/ 0