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Traditionelle Mythologie und zeitgenössischer Comic

In diesen zeitgenössischen kongolesischen Comics kommen sich mystische Überlieferungen und das moderne Leben näher und bilden eine futuristische Mischung aus Fiktion und Utopie.

Das Konzept der Mythologie, verstanden als ein Ensemble von Mythen, wird im Allgemeinen verwendet, um Geschichten über göttliche, menschliche oder monströse Figuren zu erzählen, die aus den Narrativen religiöser Systemen von alten Zivilisationen oder auch traditioneller Gesellschaften stammen, sich miteinander vermischen und hybridisiert werden.

In diesem konkreten Zusammenhang finden sich Erzählungen der traditionellen Mythologie in den zeitgenössischen Comics wieder, in denen sie künstlerisch interpretiert und transformiert einer modernen Gesellschaft zugänglich gemacht werden. Mythen transportieren im Allgemeinen die historische und kulturelle Identität einer Gemeinschaft. Dabei repräsentieren sie als kulturelles Erbe weniger den Glauben einer Gemeinschaft, sondern verbleiben vielmehr als Metapher im kollektiven Gedächtnis: Mit jeder Generation, die der Mythos durchläuft, entwickelt er sich, transformiert sich und passt sich dem gegenwärtigen Leben an. Zudem werden Mythen auch individuell verinnerlicht, da die Menschen durch eigene Interpretationen der Mythen ihrem Leben einen speziellen Bedeutungs- und Sinnhorizont verleihen. Auch die Comic-Künstler*innen eignen sich die traditionellen kongolesischen Mythen an, um ihre eigene Vision der geerbten Mythologie mit ihren Mitteln zu verarbeiten: Es sind Allegorien symbolischer Figuren, die leicht zu erkennen sind und eine Interaktion zwischen dem Mythos und dem Künstler verdeutlichen. Diese sich kontinuierlich aktualisierenden Inszenierungen des kollektiven Gedächtnisses im zeitgenössischen Comic bereichern in ihrer Reflexion den Diskurs über die Wahrnehmung von Geschichte, Spiritualität und moderner Gesellschaft.


Tétshim

Ein futuristischer Mythos

In diesem Comic-Strip kommen sich die geheimnisvolle Welt und das moderne Leben näher. In einem modernen Szenario finden sich rituelle Statuen aus dem Königreich Kongo, der alten Zivilisation im Kongo vor der Kolonialisierung. Es ist eine Fiktion, die uralte Geister heraufbeschwört: Hat sich auch die Welt der Ahnen modernisiert? Oder ist es die gegenwärtige Welt, die von den Geistern der Ahnen heimgesucht wird?


Rocky Production

Rituale damals und heute

In einer der Provinzen der Demokratischen Republik Kongo. Die Jäger finden keine Beutetiere mehr: Sie haben die notwendigen Jagd-Rituale nicht eingehalten. Um die Geisterwelt zu besänftigen, führen die Jäger mit Hilfe des Stammeshäuptlings ein Ritual durch. Rocky fragt in diesem Comic danach, wie sich solche alten Riten in unserer modernen Gesellschaft transformiert haben könnten. Die heutigen Rituale sind für ihn etwas praktischer als früher: Beziehungen, Korruption und Bildung sind heute der Schlüssel zum Erfolg.


Yann Kumbozi

© Yann Kumbozi, 2020.

Shama, der weiße Panther: Die Beschützerin des Dorfes

Eine moderne Heldin mit der Stärke ihrer Vorfahren: Sie trägt eine Kuba-Maske, eines der spirituellen Accessoires des Königreichs Kuba, Teil der alten Zivilisation im Kongo vor der Kolonialisierung. Die Maske verleiht ihr Kraft und Energie, die menschliche Erwartungen übertrifft: Shama kann sich in einen Panther verwandeln.


Papa Mfumu’eto

© Papa Mfumu’eto, „Kanzenzenze“, 2014, Angalia Galerie.

Eine geheime Sprache in Kinshasa

*Und ja, Tausende von Kongolesen, die in Kinshasa gelebt haben (in den Jahren von ca.1950 – 1975) haben die mysteriöse Melodie in sitzender Position gesummt …

Sie haben ein Liedchen in einer fremden Sprache gesungen, nicht in der Landessprache „Lingala“, die in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo gesprochen wird. Aber diese fremde Sprache wird in keiner der Landessprachen des Kongos …ääh… der Demokratischen Republik Kongo gesprochen.

*Als Kinois (Bewohner von Kinshasa) habe ich mich immer gefragt, ob wir nicht, ohne es zu wissen, in Kontakt mit unsichtbaren Wesen sind, die uns diese melodischen Vibrationen aus einer anderen Welt gezeigt haben.

*Aber warum ist diese Melodie, oder vielmehr diese „tote“ Sprache, verschwunden??? Warum?


Mukenge/Schellhammer

Museale Begegnungen

Hier handelt es sich um Luba-Statuen aus dem Königreich Kongo, der Zivilisation in Zentralafrika vor der Kolonialzeit, und heute Eigentum des Museums für Völkerkunde Dresden. Sie dienten zur Repräsentation von Macht und Einfluss von Dorfchefs. Jede Statue ist einzigartig und kommuniziert durch spezielle Symboliken, wie beispielsweise Hautritzungen, im Kommunikationssystem der jeweiligen Gesellschaft. Im aktuellen Diskurs zur Dekolonisation von ethnologischen Museen wird viel über die Restitution von Kunstwerken, die während der Kolonialzeit gekauft oder geraubt worden sind, gesprochen.

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